Balkenplan

Balkenplan = Gantt-Chart?

Wer hat den Balken- und/oder Netzplan erfunden?

Der vernetzte Balkenplan

Beim Balkenplan werden die Vorgänge in einer Spalte übereinander geschrieben. Die Vorgangsdauern werden maßstabsgetreu durch einen Balken repräsentiert, die entlang der horizontal aufgetragenen Zeitachse positioniert werden. Die Vorgänge werden gerne so sortiert, dass oben die Vorgänge stehen, die früh und unten jene, die spät beginnen

Balkenpläne bilden die Dauer jedes Vorgangs in Form eines horizontalen Balkens ab. Die Balken können sowohl Ist- als auch Soll-Daten umfassen. Ereignisse werden als Zeitpunkte dargestellt. Der vernetzte Balkenplan erweitert die Darstellung um die Abhängigkeiten zwischen den Vorgängen und wird so zu einem Netzplan, der die Abhängigkeiten zwischen Arbeitspaketen - die Vorgehensweise bei der Projektabwicklung - graphisch darstellt.

Der vernetzte Balkenplan wird zur Planung, Visualisierung und Kontrolle der Dauer und Folge von Prozessen eingesetzt. Start- und Endtermin, Zeitbedarf und zeitliche Abhängigkeiten der Aufgaben können damit leicht lesbar dargestellt werden. der vernetzte Balkenplan ist ein grundlegendes Werkzeug des Projektmanagements.

Ursprung

Maßstäblichkeit von Balken und Zeit

Joseph Priestley (1733-1804)

Die Ursprünge des Balkendiagrams liegen bei Joseph Priestley im späten 18. Jahrhundert

Priestley war ein englischer Theologe ("Unitarier") und progressiver Naturwissenschaftler, der die Photosynthese entdeckte und Ideale der Französischen Revolution vertrat.

"Chart of Biography" (1765)

Priestey's Chart of Biography zeigt die früheste Verwendung des Prinzips der Proportionalität von räumlicher Ausdehnung und verstreichender Dauer

Wirtschaftlichen Erfolg jedoch brachten ihm Balkendiagramme, mit denen er historische Zeiträume für die Fortbildung von Bürgertum und Adel visualisierte. Vermutlich das Prinzip der maßstäblichen Länge von Balken und Dauer von Zeiträumen wurde erstmals 1765 von Joseph Priestley eingesetzt, der somit auch als Erfinder der Infografik gelten kann.

"A New Chart of History" (1769)

Infografiken erfuhren gegen Ende des 18. Jahrhunderts weite Verbreitung. Sie wurden wie dieser Chart of History, vor allem in der Bildung eingesetzt

Das  Harmonogram (1896)

Der Indikative Zeitplan

Karol Adamiecki (1866 - 1933)

Karol Adamiecki

Karol Adamiecki war ein polnischer Hüttentechniker, der sich zeitgleich mit, und vermutlich unabhängig von Frederick Winslow Taylor, erfolgreich mit der technischen Verbesserung und Weiterentwicklung von Produktionsprozessen in der Schwerindustrie (des zaristischen Russlands) beschäftigte.

Dabei verfolgte er schwerpunktmäßig Planung und Kontrolle von Gruppenarbeit, für die er grafische Darstellungen mehrerer voneinander abhängiger Ablaufschritte erstellte und diese zur "Harmonisierung der Arbeit" einsetzte.  Die von Ihm entwickelte nomographische Methode des Harmonographen konnte, vermutlich schon im 19. Jahrhundert, ohne Rechenaufwand, den "Flaschenhals", den Kritischen Pfad der Produktionskette ermitteln.

Vermutlich ebenfalls zeitgleich, aber unabhängig von Taylor, entwickelte er eine kongruente Theorie des Scientific Management (Organizacja Naukowa) die um die "Gesetze" der Harmonie, wir würden das heute Optimierung nennen, in Termin- und Ressourcenplanung sowie Teammanagement kreist.

Adamiecki’s Harmonogram - Vorgangsterminierung mit Plan und Ist-Werten

Das Harmonogram erlaubt es Plan- den Ist-Werte eines Prozesses grafisch zu vergleichen

Die Papierstreifen zeigten neben den geplanten Vorgaben, auch die tatsächlich benötigte Zeit bis zur Fertigstellung des Vorganges.

A (vorzeitig beendet)

B (überfällig) und

C (Verspätet begonnen und unterbrochen)

 

Der Harmonograph - Visuelles Fabrikmanagement (seit 1896 ? )

Harmonografische Steuerungstafel für die Fabriksteuerung

Harmonogram bezeichnet in der polnischen Sprache "Zeitplan", aber auch viele andere Arten von Diagrammen. Wir können Adamiecki's Harmonogram mit „Arbeitsablaufschaubild“ übersetzen.

Für die Visualisierung von Produktionsprozessen entwickelte K. Adamiecki den Harmonographen, eine bis zu acht Meter lange Tafel auf der die Prozessketten über alle Ebenen der Fabriksteuerung mit einen Charting System sichtbar gemacht wurden. Einzelne Harmonogramme, die als versetzbare, mit verschiebbaren Klemmreitern ausgestattete Papierstreifen ausgeführt waren, können je nach Betriebssituation versetzt und rekombiniert werden, wodurch die Folgen für den Zeitplan sichtbar werden.

Adamiecki’s Harmonograph - Ein protokybernetisches Werkzeug für das Management des Kritischen Pfades

Harmonograph im Detail

Der Harmonograph konnte zur Visualisierung statischer Produktionsvorgaben und nomothetisch, als Managementtool für die Koordinierung, Veränderung und Steuerung fehlerhafter Produktionsprozesse eingesetzt werden.

Das Harmonogram

Karol Adamiecki in den 1890ern

Nach dem Krieg war K. Adamiecki als Dozent an der TU Warschau tätig, wo er 1922 an den neugeschaffenen Lehrstuhl für Prinzipien der Organisation von Arbeit und Industriebetrieben berufen wurde. Adamiecki hat dort sowohl viel experimentiert, als auch praktische Erfahrungen in der Anwendung seiner Managementlösungen sammeln können. 1926 wurde er zum Ersten Vorsitzenden des Polnischen Komitees für wissenschaftliche Organisation und zum Vizepräsident des Internationalen Komitees für wissenschaftliche Organisation. Gleichwohl, so scheint es, hat K. Adamiecki seine Harmonograph-Netzplantechnik erstmals 1931 publiziert.

Der erste Netzplan - Wann?

Undatierter polnischer Netzplan

Leider sind keine der frühen Netzpläne von Karol Adamiecki erhalten. Obige Zeichnung (ohne Datum) wurde von der (zeitweise nach Karol Adamiecki benannten) Universität Katowice als Beleg für die Urheberschaft Adamiecki's am Vernetzten Balkenplan präsentiert.

Das Bauprogramm (1912)

Standard im deutschsprachigen Raum, oder elaborierte Abbildung für eine Dissertation?

Dr. Hermann Schürch (1881 - 1957)

Dr. Hermann Schürch

Hermann Schürch war ein Schweizer Bauingenieur, der als Pionier des Stahlbetonbaus seit 1904 für die Fa. Eduard Züblin Projekte realisierte, die Maßstäbe setzten.

1916 legte er an der Technischen Hochschule zu Dresden eine Dissertation über Versuche beim Bau des Langwieser Talüberganges und deren Ergebnisse vor.

Als Schwiegersohn des Gründers übernahm er nach dessen Tod im Jahr 1916 die Firma und machte aus dieser als AG bis 1934 einen europaweit agierenden Großkonzern mit Sitz in Straßburg.

Das Bauprogramm - Terminplanung (1912)

Schürch's Bauprogamm ist die älteste dokumentierte Anwendung eines Balkenplans fürZwecke des Projektmanagements

 

Der oben stehende "Auszug aus dem Bauprogramm" des Langwieser Viadukt aus einer Publikation von H. Schürch aus dem Jahr 1915 in der Fachzeitschrift "Armierter Beton" beweist nicht das H. Schürch oder J. Müller die Erfinder des "Gantt Chart" sind. Wohl aber, das elaborierte Projekt-Terminplanung als Balkenplan im deutschsprachigen Raum 1912 eingesetzt wurden. Folglich kann H. L. Gantt nicht der Erfinder des Gantt Chart gewesen sein.

 

Projektmanagement mit "Bauprogramm"

"Für die Durchführung der Arbeiten wurde ein ganz genaues graphisches Bauprogramm aufgestellt, von welchem Fig. 33 einen Ausschnitt gibt. Für dasselbe wurde die Woche zu fünf vollen wirklichen Arbeitstagen angenommen und damit allen Unterbrechungen, durch ungünstige Witterung u. a., Rechnung getragen. ... Das Bauprogramm konnte im allgemeinen eingehalten werden, und die wohlüberlegten Baueinrichtungen, die ebenso wie das Bauprogramm, hauptsächlich von Dipl.-lng. J. Müller entworfen wurden, haben sich trefflich bewährt und, trotz ziemlich bedeutender Anlagekosten, als sehr wirtschaftlich erwiesen." H. Schürch (1915)

Das Baustellenprogramm - Arbeits- und Materialflüsse (1912)

Das Baustellenprogramm beinhaltet auch die Kontrolle von Arbeit und Materialflüssen

Vor allem jedoch regelte Schürch den Arbeitsablauf durch ein präzise ausgearbeitetes grafisches "Bauprogramm", aus dem die Anzahl benötigter Arbeiter und die Materialflüsse ersichtlich waren.

"Durch Zusammenstellung des Bedarfs für alle einzelnen Leistungen
im Bauprogramm ergab sich eine zweite Tabelle (Fig. 32), aus welcher der jederzeitige Gesamtbedarf an Baustoffen und die Gesamtleistung ersichtlich war; mit Rücksicht auf die unsichere und unregelmäßige Zufuhr musste jeweils für entsprechende Vorräte rechtzeitig Vorsorge getroffen werden" H. Schürch (1915)

Viadukt Langwies (1912)

Viadukt Langwies - Eine frühe Ikone des Stahlbetonbaues

Das von H. Schürch in den Jahren 1911 - 1914 erbaute Viadukt war mit einer Stützweite der Bögen von 100 Metern bei seiner Errichtung nicht nur die weitest-gespannte Eisenbahnbrücke der Welt - Das Viadukt gilt im Betonbau aufgrund seiner monolithischen Bauweise (die wartungsanfällige Lagerkonstruktionen und Fahrbahnübergänge überflüssig macht) bis heute als anzustrebendes Ideal.  

Schürch projektierte das Langwieser Viadukt im Jahr 1911 nicht alleine mit damals avantgardistischer Technologie und Design, sondern auch mit den damals neusten Organisationsmethoden. Er installierte vor Ort eine Telefonanlage und eine provisorische Hochspannungsleitung um die Baustelle über Kabelkräne mit den benötigten 250 Tonnen Armierungseisen und 7.500 m³ Beton zu versorgen und zu bedienen.

The Gantt Chart (1917) ?

Wer hat wann den Termin- und Ressourcenplan im Projektmanagement erfunden?

Henry Laurence Gantt (1861 – 1919)

Henry Laurence Gantt

H. L. Gantt war ein US-amerikanischer Maschinenbauingenieur und Unternehmensberater, der sich in der Zeit des Überganges von Manufaktur- zur Fabrikarbeit Verdienste um die Optimierung der im frühen 20. Jahrhundert immer noch handwerklich orientierten Massenproduktionsstrukturen erworben hat.

Gantt optimierte die industrielle Produktivität unter anderem, indem er betriebliche Fortbildungen und Boni-Systeme für die Arbeiter entwickelte, die Schwerkraft (Gefälle) und natürliche Beleuchtung in den Produktionsprozess einbezog und diesen effiziensorientiert reorganisierte. Seine Publikationen fokussieren/fördern Transparenz für alle Beteiligten in einem "demokratischen" Produktionsprozess. Wir nennen dies heute Teammanagement.

"Organizing for Work" (1919)

Mittlerweile hat sich das Industrial Engineering im deutschen Sprachraum als eigenständiger Begriff etabliert

Nach Kriegseintritt der USA im Jahr 1917 beschäftigte sich H. L. Gantt im Auftrag der Bundesregierung der USA mit Produktionssteigung im Schiffsbau. Dieser stand in direktem Wettbewerb mit der leistungsfähigen deutschen Kriegswirtschaft und musste schwere Verluste des U-Boot-Krieges ausgleichen. US-Quellen datieren die Entstehung des "Gantt Chart" auf die Zeit von Gantt's Zusammenarbeit mit der US-Marine, aus der keine Zeugnisse erhalten sind.

Das theoretische Fundament seiner Arbeit - Scientific management (Wissenschaftliche Betriebsführung) - legte H. H.L. Gantt in den Jahren 1887 bis 1893 gemeinsam mit Frederic W. Taylor, dem vermutlich ersten Unternehmensberater der USA. Scientific management zielte - obwohl es diesen Begriff damals noch nicht gab - auf auf die Erhöhung der Produktivität. Nach Gantt und Taylor gehören dazu die empirische Analyse von Arbeitsprozessen, Arbeitsethik, Standardisierung, Abfallvermeidung und Wissenstransfer innerhalb der Arbeiterschaft. H. L. Gantt suchte seine Erkenntnisse auch auf politische Prozesse anzuwenden.

Obwohl Scientific management als eigene Schule durch die industrielle Massenproduktion schon in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts veraltet war und durch das Industrial Engineering (Arbeitsingenieurwesen) von Harold Bright Maynard ersetzt wurde, beinhaltet es viele Themen welche für die Organisation der industriellen Arbeitsprozesse bis heute von Bedeutung sind.

Gantt's Hauptwerk Organizing for Work (1919) erschien in seinem Todesjahr. Darin allerdings, finden sich darin ausschließlich Tabellen die geleistete Arbeit retrospektiv und ohne proportionalen Bezug zu den in Ihnen erhaltenen diskreten Werten darstellen. Näher scheint H. L. Gantt dem Gantt Chart nicht gekommen zu sein.

Tatsächlich taucht der Begriff Gantt Chart erstmals in dem Buch The Gantt Chart a working tool of management (1923) von Gantt's ehemaligen Mitarbeiters Henry Wallace Clark auf.

Henry Wallace Clark (1880 – 1948)

Henry Wallace Clark

H. W. Clark war ein US-amerikanischer Unternehmensberater, der H. L. Gantt 1910 kennen lernte, als dieser die Remington Typewriter Company reorganisierte. 1919 wurde er in Gantt's leitender Ingenieur. In den 20er und 30er Jahren war H.W. Clark der Evangelist von Gantt's Lehre, die er in den USA und Europa mit seiner eigenen Firma und Publikationen wie The Gantt chart, a working tool of management (1922) verbreitete.

Mit der Gründung des Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung REFA (1924) wurde die Normierung von Arbeit auch in Deutschland vorangetrieben. Hier wurde sie von Nationalsozialisten fleißig zur Identifizierung von "Bummelanten" eingesetzt, was dem "Taylorismus" in Deutschland ein unverdient schlechtes Image einbrachte.

H. W. Clark's "Gantt Chart" (1923)

Komplexität ist ein überwältigendes Merkmal von Projekten

Faktisch wurde der Balkenplan - dank der Arbeit von H. W. Clark - in den Jahrzehnten nach Gantt's Tod in den USA als "Gantt Chart" zu einem wichtigen Steuerungsinstrument großer und erfolgreicher Infrastruktur-Projekte, wie Hoover-Damm und Interstate-Highway-System.

Clark's Wirken für die Verbreitung der Organisationsprinzipien von H. L. Gantt und deren erfolgreiche Anwendung veranlassten die American Society of Mechanical Engineers (ASME) 1929 zur Stiftung der Henry Laurence Gantt Medal, die bis heute jährlich vergeben wird. Es gibt gute Gründe H. L. Gantt zu ehren. Das Gantt Chart jedoch gehört nicht zu ihnen.

Jedoch hat H. L. Gantt nie behauptet den Gantt Chart erfunden zu haben. Tatsächlich waren, wie die Arbeit von H. Schürch beweist und die von K. Adamiecki vermuten lässt, Balkennetzpläne in Europa schon Jahrzehnte vor dem ersten Gantt Chart im Einsatz.

"Gantt Chart"

Weshalb wird der Balkennetzplan fälschlicherweise so oft
H. L. Gantt zugeschrieben?

Drei unabhängige Erfinder

Adamiecki, Schürch und Gantt

Wir wissen nicht ob Taylor, Gantt und Clark, die Protagonisten des Scientific Management die Größe gehabt hätten den Balkennetzplan als Adamiecki-Harmonogram (zu viele Silben), Schüch-Plan (Umlaute haben wir nicht) oder Bauprogramm (Im 20. Jahrhundert zu Deutsch) zu bezeichnen, wenn Ihnen deren (auf deutsch und polnisch verbreitete Arbeiten) bekannt gewesen wären.

Das war sicher nicht der Fall. Kommunikationswege und Sprachkenntnisse waren andere als heute und der Krieg mag das seine dazu beigetragen haben den wissenschaftlichen Austausch zu unterbinden. Faktisch etablierten Clark und Maynard den Gantt Chart im Sprachgebrauch des Industrial Engineering auch über die anglo-amerikanische Welt hinaus.

Das Jahrhundert der USA

Die USA prägten das 20. Jahrhundert

Projektmanagement als kybernetische Disziplin, speziell die Theorie des Kritischen Pfades und PERT, wurden in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA entwickelt und dort auch in den 70er und 80er Jahren digitalisiert.

Mit Erscheinen des Personal Computer bekam der Gantt Chart seit Mitte der 80er Jahre einen mächtigen Sponsor: Microsoft benannte die Standardansicht seiner Projektmanagement Software MS-Project nach H.L. Gantt.

Marktmacht Microsoft

Microsoft Project verbreitete die Bezeichnung des Balkendiagramms als Gantt Diagramm weltweit

Damit scheinen die Weichen zu Gunsten des Gantt-Diagramm's bis heute gestellt worden zu sein. Microsoft Project dominiert Markt für Projektmanagement-Software klar, nach Zahl der Installationen und Benutzer.

ANSICHT / GANTT-DIAGRAMM

Die Bezeichnung Gantt Diagramm beruht auf der irrtümlichen Bezeichnung des Balken-Netzplans durch führende US-Software

Microsoft lancierte Project Mitte der 80er Jahre am Markt. Die Software litt zunächst nicht alleine unter fehlerhaften Begrifflichkeiten, sondern auch unter fehlerhaften Funktionen, was Ihre Verbreitung trotz der Marktmacht von Microsoft zunächst begrenzte. Auch gab es für große Projekte bereits ein etabliertes, UNIX-basiertes Projektmanagementsystem namens Primavera, das Microsoft bis heute als Vorbild für Project dient. Auch Primavera kennt das Gantt-Diagramm.

Seit 2000 hat Microsoft die Leistungsfähigkeit seines Betriebssystems wesentlich steigern können und Project reifte zu einer umfassenden und stabileren Software heran. Nach Zahl der Installationen und Benutzer ist Microsoft Project auch in Deutschland klar die führende Software die die Sprache ihrer Benutzer geprägt hat.

Begriffliche Entwicklung im Spiegel der Literatur

Mit Google Books Ngram Viewer können wir die relative Häufigkeit von Begriffen und Begriffskombinationen in der von Google eingescannten Literatur zwischen 1800 und 2008 in verschiedenen Sprachräumen untersuchen, das Ngram (Diagramm eines in N Fragmente zerlegten Textes) zeigt zunächst einmal das Gantt-Diagramm in der von Google erfassten deutschsprachigen Literatur klar von "Bauprogramm" dominiert wird.

"Gantt-Diagramm" und "Bauprogramm" im deutschsprachigen Raum

Projektdefinition

Es ist zu vermuten werden, dass der Begriff "Bauprogramm" hier nicht immer im Sinne eines "Vernetzten Balkenplans" verwendet wird. Es gab, gerade im Deutschland der 50er Jahre, auch viele öffentliche "Bauprogramme".

Nach 1960 sinkt die Häufigkeit der Verwendung des Begriffes in Deutschland bis in die 80er Jahre stark ab. was sowohl mit der weitgehenden Fertigstellung großer öffentlicher Wiederaufbauprogramme in den 60er Jahren, als auch mit der beginnenden Übernahme von Begrifflichkeiten des Industrial Engineering, also auch dem des Gantt Charts in Deutschland erklärt werden kann.

"Gantt-Diagramm" im deutschsprachigen Raum

Projektdefinition

Die genauere Betrachtung von "Gantt-Diagramm" zeigt, wie der Begriff ab 1960 in der deutschsprachigen Literatur auftaucht, dann aber, vielleicht im Zuge der Eindeutschung des "Arbeitsingenieurwesens" in den 70er Jahren, wieder an Bedeutung verliert.

Seit Mitte der 80er Jahre jedoch - ganz extrem seit dem Jahr 2000 - wird der Begriff "Gantt-Diagramm" in Deutschland inflationär eingesetzt.

Sollen Erfinder und Entdecker durch die Verknüpfung Ihrer Namen mit der Erfindung geehrt werden?

Die Idee erscheint zunächst einmal gut. Manchen Innovatoren verdanken wir sehr viel und innerhalb der ursprünglichen Kultur ist diese Vorgehensweise auch oft zielführend: In Deutschland weiss jeder was ein Roentgen-Apparat ist. Im Ausland ist dies weniger wahr.

Schon aus diesem Grunde sollten Erfindungen nicht mit dem Namen des Erfinders sondern viel mehr mit mit Ihren wesentlichen Eigenschaften benannt werden: Balken Netzplan!

Dagegen spricht offensichtlich auch, das Urheberschaft nicht immer zweifesfeie geklärt und - wie im Fall des Gantt-Diagramms - auch falsch zugeschrieben werden kann.